von Ernst Elias Niebergall Zwei verloren geglaubte Radioaufnahmen aus den 50er Jahren Böse Satire auf das idyllische Biedermeier
1837 verfaßte Ernst Elias Niebergall sein Mundart-Lustspiel "DerBurschen Heimkehr oder: Der tolle Hund". 1841 veröffent- lichte er anonym seine "Localposse in der Mundart der Darm- städter",den "Datterich"."Der Datterich ist ein armseliger Schnorrer", schreibt der Schriftsteller Herbert Heckmann. "Er ist ein Bürger auf derSchattenseite der Gesellschaft, ein Particulier, ohne ersichtlichenBeruf, ein genialer Lump, ein immerdurstiger Wirtshausgänger,der die Kunst, Schulden zu machen und davon zu leben, bis zurVollkommenheit gebracht hat. Seine Lebensauffassung lautet kurz und bündig: ,Bezahle, wann mer Geld hat, des is kah Kunst, awer bezahle, wenn mer kahns hat, des is es Kunst, liewer Mann, un die muss ich erscht noch lerne."Die Posse ist bis heute ein bedeutender Teil der Darmstädter Identität. Gaststätten sind nach ihm ebenso benanntwie der Museumszug der Straßenbahnen ("Datterich-Express"). Der "Datterich" ist charakterisiert als der "typische" Darmstädter: Vorlaut, schlitzohrig, immer auf seinen Vorteil bedacht, geizig. Etliche Passagen finden sich heute noch im Sprachgebrauch der "Heiner" wieder. Die Mundart sollte Nicht-Hessen nicht davon abhalten, dieses auch heute noch überaus witzige Stück zu hören.
Berühmte Mitwirkende dieser Produktionen: Kasimir Edschmid, der erste Vertreter des literarischen Expressionismus, der bekannte Publizist Dolf Sternberger sowie der erfolgreiche Drehbuchautor, Filmregisseur und Schauspieler Robert Strom- berger.